Zur Totalität des Antisemitismus – Flugblatt anlässlich der Jahrestage der Novemberpogrome von 1938

Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! Sie stehn unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt.
(Karl Marx)


Die Volksgemeinschaft der willigen Vollstrecker_innen

Am 7. November 1938 schoss der in Frankreich lebende polnische Jude Herschel Grynszpan den deutschen Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath in Paris nieder. Dies war eine Reaktion auf die antisemitische Politik der deutschen Terrorgemeinschaft, der auch Grynszpans‘ Eltern zum Opfer gefallen waren. Aus dieser Tat eines Einzelnen wurde durch den NS-Propagandaapparat der „hinterhältige Mord an einem Arier durch die jüdische Weltverschwörung“, eine Art „Kriegserklärung des Weltjudentums gegen das Reich“ konstruiert.
Die Reaktion des deutschen „Volkszorns“ ließ nicht lange auf sich warten. (mehr…)

Erneute NPD-Demo in Friedberg

Nach längerer Zeit erfolgt mal wieder ein Update der Homepage, anlass dafür ist die erneute NPD-Demo in Friedberg am 07.11.09. Bereits am am 01.08. hatten etwa ein Hundert Neonazis versucht durch Friedberg zu marschieren.

Die >>antifaschistische Jugendgruppe Wiesbaden< < hat einen Aufruf verfasst, den wir unterstützen und euch nicht vorenthalten wollen:


Der siebte November – Da war doch was’ ?!

Er ist nicht irgendein Tag unter vielen, der siebte November, an dem deutsche Nazis ihre mangelnde Lernfähigkeit und ihren Hang zur Selbstdemütigung beweisen.
Vielmehr ist der siebte November ein Tag, der durch seine Historik geladener und relevanter nicht sein könnte, da er den Beginn der Novemberpogrome markiert. Am Morgen des siebten November 1938 verübte der damals 17 jährige Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath, um so ein Zeichen des Protestes gegen die judenfeindliche Politik der Deutschen zu setzten. Vor allem dürfte ihn jedoch das Schicksal seiner eigenen Eltern, welche zuvor zusammen mit 17.000 anderen nichtdeutschen Juden ohne Vorwarnung abgeschoben wurden, zu dieser Tat gebracht haben. Jenes Attentat wurde daraufhin von den Nationalsozialist_Innen als Vorwand für die folgenden Pogrome genutzt und folglich auch instrumentalisiert. Die nationalsozialistische Propaganda stellte die Pogrome zwar als Ausdruck des deutschen „Volkszorns“ dar, jedoch waren es zumeist Parteigebundene Schlägertrupps die an den Übergriffen beteiligt waren. Das soll jedoch keines Falles heißen, dass jene antisemitischen Übergriffe nicht auf Zustimmung seitens der deutschen Zivilgesellschaft stieß, da sich ein Großteil dieser sogar aktiv an den Pogromen beteiligte. Die Forderung Josef Göbels’„dass das Attentat des Juden die schwersten Folgen für die Juden in Deutschland haben muss“ wurde wahr. Von nun an sollten geplünderte und boykottierte jüdische Geschäfte, brennende Synagogen bis hin zu gewaltsamen Übergriffen auf offener Straße den Alltag bestimmen. Die Novemberpogrome vom siebten bis hin zum dreizehnten November kosteten 400 Menschen das Leben. Dies zeigte dass der Antisemitismus, welcher sich zuvor auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden beschränkt hatte, zunehmend einen vernichtenden Charakter annahm, gar zu einer Staatsangelegenheit wurde, was dazu führte dass bis zum achten Mai 1945, dem Tag der Niederwerfung des deutschen Nationalsozialismus und der mit ihm verbundenen Barbarei durch die Alliierten, über sechs Millionen Juden und Jüdinnen ermordet wurden. Die industrielle Vernichtung europäischer Juden und Jüdinnen bezeichnet man auch als Shoa. Die Shoa muss als gravierendster, jemals da gewesener Zivilisationsbruch verstanden werden.

„Im Vergessenen des kaum Vergangenen klingt die Wut mit, dass man, was alle wissen, sich selbst ausreden muß, ehe man es den anderen ausreden kann.“ Theodor W. Adorno

64 Jahre nach diesem Zivilisationsbruch sollte der Umgang und die Bewältigung der eigenen Geschichte eine klare Sache sein. Dies ist nicht der Fall. Der Bruch mit den Verhältnissen, in Form des Kapitalismus, welche die Entstehung des deutschen Nationalsozialismus ermöglichten, blieb fern und noch immer spielen Teile der nationalsozialistischen Ideologie wie zum Beispiel Arbeitswahn und Rassismus eine Rolle in der deutschen Gesellschaft.
Auch der Antisemitismus ist mit von der Partie. Er tritt jedoch nicht mehr so auf, wie er es noch vor 64 Jahren tat, da nach ’45 eine Tabuisierung der Traditionellen Judenfeindschaft statt fand. Eine antisemitistische Weltanschauung kann sich Heute unter anderem im Antizionismus oder im Antiamerikanismus, was querbeet von linksdeutschen Antiimperialist_Innen bis hin zu deutschen Neonazis vertreten wird, ausdrücken. Vor allem drückt sich der moderne Antisemitismus jedoch so aus, dass er „(…)die Juden nicht trotz, sondern wegen Auschwitz hasst“ (Sebastian Voigt). Es herrscht seit der Beendung der deutschen Barbarei das stetige Bedürfnis, frei von Schuldzuweisungen zu sein, um endlich wieder Deutschland abfeiern und stolz auf das eigene Kollektiv sein zu können, ohne dabei jene Schuldzuweisungen auf sich nehmen zu müssen. Das sieht man auch zwei Tage später, am neunten November, wenn zum 20. Mal der Fall der Berliner Mauer und die Überwindung des Realsozialismus gefeiert wird und echte deutsche Demokrat_Innen stolz auf das „neue“ Deutschland sein können. Ein „neues“ Deutschland in dem immer noch Übergriffe auf Migrant_Innen, Homosexuelle und andere Menschen die nicht der Norm entsprechen auf der Tagesordnung stehen.


„Verkackte Deutsche, das sind doch alles Nazis“

Nicht selten sind es Menschen aus dem Spektrum der NPD, die an den oben genannten Übergriffen beteiligt sind. Eben diese möchten nun am siebten November, einem Tag der vielmehr für die Aufrechterhaltung der Erinnerungen an die deutsche Barbarei stehen sollte, ihre menschenverachtende Ideologie in Form einer Demonstration in Friedberg kundtun.
Es gilt sie mit dem permanenten Hintergrundgedanken, der zeigt dass es nicht nur Rechtsradikale sind die menschenverachtende Ideologien verbreiten, sondern diese nur die radikalsten Vertreter jener Ideologien sind, zu stoppen.

Antisemitismus konsequent bekämpfen!
Den Naziaufmarsch stoppen!

weitere Infos unter: ajwbn.blogsport.de und antifa-frankfurt.org

01.08.: NPD-Doppeldemo verhindern! || 9 Uhr || Friedberg-Bahnhofsvorplatz

Am 1. August Nazis im Hinterland aufmischen

Die hessische NPD plant am 1. August 2009 einen Doppelaufmarsch in Friedberg und Nidda durchzuführen. Als Anlass dienen die jeweiligen örtlichen Moscheen sowie damit verbundene Angst vor „Überfremdung und Islamisierung“. Da der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt als Redner angekündigt ist, muss wohl mit etwas mehr, als nur einigen Wetterauer Dorf-Nazis gerechnet werden. Die regionale Gegenmobilisierung besteht bisher ausschließlich aus bürgerlichen Zusammenhängen. Einige dieser Protagonisten haben zudem ein höchst zweifelhaftes Politikverständnis. Es gibt also aus autonomer linksradikaler Perspektive mehr als genug Gründe, selbst für den 1. August zu mobilisieren, und an diesem Tag eigene Akzente zu setzen.
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Antifaschistisches Sommercamp in Hessen

Antifa Camp 2009

Was ihr hier lest, ist der Aufruf zum BASH Jugendantifa-Camp 2009, welches im August in Hessen stattfinden wird. Wer jetzt sagt: „Antifacamp? Braucht doch kein Mensch, da fahr‘ ich einfach zur nächsten Demo…“, irrt sich gewaltig! Das Camp soll helfen, jüngere und ältere Antifaschist_innen zusammen zu bringen und zu vernetzen, denn trotz des Namens „Jugendantifa-Camp“ haben wir natürlich keine Altersgrenze und freuen uns auch über Antifaschist_innen jenseits der 20. Wir wollen mit den Vorurteilen aufräumen, dass generationsübergreifende Kooperation nicht möglich sei, denn besonders solche Konstellationen können sich super ergänzen.

Hauptsächlich organisieren wir das Camp aber, da wir den theoretischen und praktischen Austausch fördern wollen. Das versuchen wir über vielfältige Vorträge und Workshops zu erreichen, bei denen wir euch nicht bloß frontal Infos an den Kopf ballern wollen. Stattdessen wollen wir in Arbeitsgruppen mit euch zusammen Inhalte erarbeiten und vermitteln.

Das Camp wird in drei Thementage gegliedert sein, die da wären: 60 Jahre BRD, Antifa (historisch und perspektivisch) sowie Kapitalismus. Jedoch werden wir beim Camp natürlich nicht nur Theorie anbieten, sondern es wird z. B. auch das Angebot für einen Transpi-Workshop geben.

Dass wir abends nicht allein in unseren Zelten sitzen ist wahrscheinlich auch allen bewusst, denn Spaß soll das Camp schließlich auch machen.

Wir packen unseren Koffer und nehmen mit…

Theorie, Praxis, Party und ’nen Schlafsack. Also packt eure Taschen, setzt euch vor den Kalender und wir sehen uns vom 19. bis 23. August in der hessischen Pampa!

Weitere Infos und Anmeldung findet ihr unter jugendantifa-camp09.tk

Theorie, Praxis und Party am Wochenende

05.06.: Antinazi-Demo || Trier, Hauptmarkt || 17 Uhr (Infos)

05.06.: „Entschwörungstheorien. Niemand regiert die Welt.“ – Vortrag mit anschließendem Konzert und Party mit Kulla, Istari Lasterfahrer und Bambam Babylon Bajasch || IVI || 20 Uhr (Infos)

06.06.: Republikaner-Aufmarsch verhindern || Ludwigshafen, Platanenhain || 12 Uhr (Infos)

06.06.: Demo gegen Abschiebeknast || Ingelheim, Bahnhof || 14 Uhr (Infos)

Proteste gegen fundamentalistischen Kongress in Marburg/Pressemitteilung des Marburger Bündnisses

Protest erfolgreich!
(noplace.blogsport.de)

Mit der Forderung „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ demonstrierten heute rund 1000 Menschen in Marburg. Anlass war der 6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge, der seit Wochen scharfer Kritik ausgesetzt ist. „Unser Protest ist vielfältig, kreativ und erfolgreich!“, so Bündnismitglied Nora Nebenberg. „Ein breites Spektrum von bundesweit politisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich aktiven Gruppen und Einzelpersonen hat gezeigt, dass pseudowissenschaftliche, diskriminierende Meinungen in öffentlichen Gebäuden nichts zu suchen haben.“
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Homophober und sexistischer Kongress in Marburg

Aufruf als pfd-Datei (klick)

Zugtreffpunkt aus Frankfurt: 21.05. || Ffm-Hbf || 9.00 Uhr

weitere Infos zur anstehenden Kampagne gegen Homophobie und Sexismus folgen in nächster Zeit…

15.05.: Jugendantifa-Soliparty || IVI || 23 Uhr

„Le monde est à v(n)ous!“

first floor:
Hörsturz
Paul Perry (Ex-Minimalgeflüster)

second floor:
DIVersion
Leon

+Guest und Cocktail-Bar

Einlass ab 23 Uhr
Institut für vergleichende Irrelevanz
Anfahrt mit U4, U6 und U7 bis Bockeinheimer Warte

1. Mai: Naziaufmarsch in Mainz verhindert!

Mehrere Tausend AntifaschistInnen konnten mit Blockaden und dezentralen Aktionen den Aufmarsch von Rechten in Mainz verhindern. Die etwa 100 Nazis konnten keinen Meter laufen. Gegen Nachmittag wurde den Rechten ein Demonstrationsverbot für ganz Rheinland-Pfalz ausgeprochen. Auf der Rückfahrt versuchten sie dennoch in Bad Kreuznach den Zug zu verlassen und eine Spontandemo durchzuführen, was die Polizei aber nicht zuließ. Einige Nazis besuchten nachher noch eine Saalveranstaltung der NPD und DVU in Völklingen (Saarland).
Bereits am Vorabend fand in Wiesbaden eine Antifa-Demo mit etwa 200 TeilnehmerInnen statt.

Nachdem der Naziaufmarsch in Hannover endgültig verboten blieb, gab es mehrere spontane Aktionen von rechts in Norddeutschland.

In Dortmund kam es zu einem Angriff von etwa 300 Rechten auf den Demozug des DGB. Die Polizei war völlig überfordert mit der Situation. Es kam zu mehreren Verletzten auf allen Seiten. Erst als Verstärkung aus ganz NRW eintraf, konnten die Rechten gestoppt und z.T. in Gewahrsam genommen werden.

Auch der für den 2. Mai geplante Naziaufmarsch in Kaiserslautern konnte verhindert werden. Auch hier konnten die etwa 100 Rechten nicht marschieren. Allerdings verlief der anschließende Aufmarsch mit 80 TeilnehmerInnen in Neustadt/Weinsttraße störungsfrei.

mai.blogsport.de

Indy-Berichte:

Mainz (2)
Hannover
Ulm (2)
Berlin
Dresden
Spontane Nazi-Aktionen in Nds.
Nazi-Angriff in Dortmund (2)
Nazi-Ersatzdemo in Freiberg (Sachsen)
Brno (Tschechien)
Kaiserslautern

Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus

Pressemitteilung: Protest gegen evangelikalen Kongress in Marburg

Vom 20.-24. Mai 2009 soll in Marburg der „6. Internationale Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ statt finden. Organisiert von evangelikalen Gruppierungen sind unter dem Motto „Begegnung zwischen Psychotherapie und christlicher Seelsorge in Wissenschaft und Praxis“ über hundert Workshops geplant, die sich unter anderem mit Themen aus dem Bereich Sexualität und Identität beschäftigen. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbreiten einzelne ReferentInnen ein konservatives Bild von der heterosexuellen Ehe als einzigem Lebensmodell und stigmatisieren Homosexualität als krankhaft und nicht erwünscht. (weiterlesen)

Dagegen hat sich vor kurzem das Bündnis „Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus“ gegründet.
Das Bündnis besteht aus queeren, feministischen, antisexistischen sowie antifaschistischen Gruppen, kritischen WissenschaftlerInnen und Einzelpersonen u.a. aus Marburg und Kassel.

Mehr Infos unter: noplace.blogsport.de