01.08.: NPD-Doppeldemo verhindern! || 9 Uhr || Friedberg-Bahnhofsvorplatz

Am 1. August Nazis im Hinterland aufmischen

Die hessische NPD plant am 1. August 2009 einen Doppelaufmarsch in Friedberg und Nidda durchzuführen. Als Anlass dienen die jeweiligen örtlichen Moscheen sowie damit verbundene Angst vor „Überfremdung und Islamisierung“. Da der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt als Redner angekündigt ist, muss wohl mit etwas mehr, als nur einigen Wetterauer Dorf-Nazis gerechnet werden. Die regionale Gegenmobilisierung besteht bisher ausschließlich aus bürgerlichen Zusammenhängen. Einige dieser Protagonisten haben zudem ein höchst zweifelhaftes Politikverständnis. Es gibt also aus autonomer linksradikaler Perspektive mehr als genug Gründe, selbst für den 1. August zu mobilisieren, und an diesem Tag eigene Akzente zu setzen.

Doppelaufmärsche sind bei Nazis offensichtlich in Mode gekommen, und so versucht sich nun auch die hessische NPD mit zwei direkt aufeinander folgenden Aufmärschen an einem Tag in der Wetterau.
Der Anlass, der geplante Bau einer neuen Moschee in Nidda, sowie die Existenz der „Ayasofya-Moschee“ in Friedberg scheint dem Landesvorsitzenden der NPD, Jörg Krebs, zum Lieblingsthema geworden zu sein. So versteht er sich und seine hessische NPD als „Vorreiterin des Widerstandes gegen die offenbar planmäßig sich vollziehende Islamisierung unserer Heimat“. Mit der Angst vor Überfremdung bezieht sich der Aufruf dabei auf ein Kern-Element völkischen Denkens. Das imaginierte völkische Kollektiv wird als natürliches, an sich seiendes wahrgenommen, biologisch wie kulturell gewachsen aus Jahrtausenden ‚gemeinsamer Geschichte’. Die Definition der Zugehörigkeit verläuft entlang einer Linie biologischer und kultureller Zuschreibungen, die als unveränderlich propagiert wird.

Während sich große Teile der NPD auf der einen Seite als Retterin vor der Islamisierung Deutschlands inszeniert und dabei klassisch rassistisch argumentiert, sucht gleichzeitig Jörg Krebs den Schulterschluss mit den Faschist_innen der türkischen Partei MHP (übersetzt: Partei der Nationalistischen Bewegung) und ihrem Ableger den Grauen Wölfen. Diese Gruppen treten als Teil einer rassistischen, türkisch-nationalistischen Bewegung in Erscheinung.
Wenn dann Jörg Krebs die MHP als legitime Interessenvertreterin des türkischen Volkes gegen eine Auflösung im „melting pot EU“ zur potentiellen Bündnispartnerin erklärt, wird durchaus klar, dass es den völkischen Nationalist_innen von der NPD nicht darum geht, den Islam zu bekämpfen, sondern ihn dorthin zu verbannen, wo er scheinbar naturwüchsig zum Leben der Gemeinschaft gehört. Der Rassismus der NPD baut auf einer Ideologie auf, die den Menschen nur als Teil ‚natürlicher Völker’ kennt. Diesen Völkern wird zugestanden innerhalb ihrer ‚natürlichen Grenzen’ zu leben. So sieht Krebs die türkischen Faschist_innen vor allem als Vermittler zur freiwilligen Ausreise ihrer Volksgenossen in ihre sogenannte Heimat.

Demnach ist klar, dass an diesem Tag die mitunter größten Feinde von Emanzipation nach Friedberg und Nidda kommen wollen und dass es gilt, sich diesen konsequent entgegenzustellen. Doch ist es nicht damit getan, die hier offensichtliche völkische und rassistische Motivation der NPD aufzuzeigen. Es erscheint uns vielmehr nötig, bei diesem Anlass auch ein paar Worte zum Thema Islam, Islamismus und Antisemitismus zu verlieren. Nicht, weil die Rassisten von NPD und Freien Kameradschaften doch „irgendwie“ recht hätten – das haben sie niemals, schon wegen ihrer grundsätzlich menschenfeindlichen Motivation. Sondern weil dieses Thema eine bemerkenswerte Leerstelle in linken Gegenmobilisierungen und Diskursen zu rechten Aufmärschen darstellt.
Dabei ist spätestens seit dem ‚Anti-Islam-Kongress‘ in Köln 2008 klar, dass die Auseinandersetzung und Analyse der unterschiedlichen muslimischen und islamistischen Organisationen dringend nötig ist.
Denn Islamismus steht für Antisemitismus, für Homophobie und ein patriarchales, autoritäres Weltbild, also für zutiefst reaktionäre und antiemanzipatorische Inhalte, und ist damit nicht weniger als eine andere regressive Formierung. Als unsere Bündnispartner_innen können nur solche Gruppen/Menschen in Betracht gezogen werden, die sich von diesen politischen Tendenzen konsequent distanzieren.

Dass sich nun die „Anti-Nazi-Koordination Frankfurt“ in ihrem Aufruf zu Friedberg/Nidda über mehrere Absätze hinweg zu anti-islamischem Rassismus auslässt, ohne dabei ein einziges Mal auf das Thema des Islamismus einzugehen, dass das „Wetterauer Bündnis gegen Rechts“ gar alle „religiös […] engagierten Menschen“ zu Protesten aufruft, zeigt wie dringend nötig es ist, diese Leerstelle auch hier zu thematisieren. Daran ändert die bemüht häufige Verwendung der Vokabel „Antisemitismus“ in den betreffenden Aufrufen rein gar nichts.

Zusätzlich ist es um autonome linksradikale Strukturen in der Wetterau spätestens seit der gewaltsamen Schließung des selbstverwalteten Jugendzentrums Alte Feuerwache in Bad Nauheim nicht wirklich gut bestellt. Stattdessen vereinnahmt die „Antifaschistische Bildungsinitiative e.V.“ oder kurz „Antifa BI“ sämtliche autonomen Bestrebungen einer linken bis linksradikalen Organisation, und lenkt diese in ordnungsgemäße, bürgerliche Bahnen. Dieser Verein fällt nicht nur durch die Zusammenarbeit mit örtlicher Polizei und Verfassungsschutz immer wieder negativ auf. Auch Berührungsängste mit organisierten Nazis fehlen zumindest bei einzelnen Mitgliedern völlig. Für eine ernsthafte Antifa-Politik ist die „Antifa BI“ demnach nicht zu haben, stattdessen sollten sich Leute in der Wetterau im wahrsten Sinne des Wortes autonom organisieren.

Aus den genannten Gründen beteiligen wir uns nicht an der bürgerlichen Mobilisierung gegen die Naziaufmärsche am 1. August. Wir rufen stattdessen zu einer Selbstorganisation aller Menschen auf, für die Antifaschismus nicht als Legitimation dient, das falsche Ganze, zu bejahen, sondern denen es um eine fundamentale Kritik der Verhältnisse geht, in denen sich nazistisches Gedankengut reproduziert und auch in der Mitte der Gesellschaft auf fruchtbaren Boden fällt.
Wir werden demnach am 1. August unsere eigenen Ansprüche in kritischer Abgrenzung zu „Antifa BI“ und „Anti-Nazi-Koordination Frankfurt“ auf die Straße tragen.

Nazis konsequent bekämpfen – emanzipatorischen Antifaschismus praktisch werden lassen!

1. August, 09h – Bahnhofsvorplatz Friedberg – Naziaufmärsche verhindern

ein Aufruf von: Antifa R4 Gießen, autonome antifa [f], Jugendantifa Frankfurt


1 Antwort auf „01.08.: NPD-Doppeldemo verhindern! || 9 Uhr || Friedberg-Bahnhofsvorplatz“


  1. 1 Jeremy Morton 04. September 2009 um 14:05 Uhr

    [Xenophober Kommentar gelöscht]

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