Erneute NPD-Demo in Friedberg

Nach längerer Zeit erfolgt mal wieder ein Update der Homepage, anlass dafür ist die erneute NPD-Demo in Friedberg am 07.11.09. Bereits am am 01.08. hatten etwa ein Hundert Neonazis versucht durch Friedberg zu marschieren.

Die >>antifaschistische Jugendgruppe Wiesbaden< < hat einen Aufruf verfasst, den wir unterstützen und euch nicht vorenthalten wollen:


Der siebte November – Da war doch was’ ?!

Er ist nicht irgendein Tag unter vielen, der siebte November, an dem deutsche Nazis ihre mangelnde Lernfähigkeit und ihren Hang zur Selbstdemütigung beweisen.
Vielmehr ist der siebte November ein Tag, der durch seine Historik geladener und relevanter nicht sein könnte, da er den Beginn der Novemberpogrome markiert. Am Morgen des siebten November 1938 verübte der damals 17 jährige Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath, um so ein Zeichen des Protestes gegen die judenfeindliche Politik der Deutschen zu setzten. Vor allem dürfte ihn jedoch das Schicksal seiner eigenen Eltern, welche zuvor zusammen mit 17.000 anderen nichtdeutschen Juden ohne Vorwarnung abgeschoben wurden, zu dieser Tat gebracht haben. Jenes Attentat wurde daraufhin von den Nationalsozialist_Innen als Vorwand für die folgenden Pogrome genutzt und folglich auch instrumentalisiert. Die nationalsozialistische Propaganda stellte die Pogrome zwar als Ausdruck des deutschen „Volkszorns“ dar, jedoch waren es zumeist Parteigebundene Schlägertrupps die an den Übergriffen beteiligt waren. Das soll jedoch keines Falles heißen, dass jene antisemitischen Übergriffe nicht auf Zustimmung seitens der deutschen Zivilgesellschaft stieß, da sich ein Großteil dieser sogar aktiv an den Pogromen beteiligte. Die Forderung Josef Göbels’„dass das Attentat des Juden die schwersten Folgen für die Juden in Deutschland haben muss“ wurde wahr. Von nun an sollten geplünderte und boykottierte jüdische Geschäfte, brennende Synagogen bis hin zu gewaltsamen Übergriffen auf offener Straße den Alltag bestimmen. Die Novemberpogrome vom siebten bis hin zum dreizehnten November kosteten 400 Menschen das Leben. Dies zeigte dass der Antisemitismus, welcher sich zuvor auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausgrenzung von Jüdinnen und Juden beschränkt hatte, zunehmend einen vernichtenden Charakter annahm, gar zu einer Staatsangelegenheit wurde, was dazu führte dass bis zum achten Mai 1945, dem Tag der Niederwerfung des deutschen Nationalsozialismus und der mit ihm verbundenen Barbarei durch die Alliierten, über sechs Millionen Juden und Jüdinnen ermordet wurden. Die industrielle Vernichtung europäischer Juden und Jüdinnen bezeichnet man auch als Shoa. Die Shoa muss als gravierendster, jemals da gewesener Zivilisationsbruch verstanden werden.

„Im Vergessenen des kaum Vergangenen klingt die Wut mit, dass man, was alle wissen, sich selbst ausreden muß, ehe man es den anderen ausreden kann.“ Theodor W. Adorno

64 Jahre nach diesem Zivilisationsbruch sollte der Umgang und die Bewältigung der eigenen Geschichte eine klare Sache sein. Dies ist nicht der Fall. Der Bruch mit den Verhältnissen, in Form des Kapitalismus, welche die Entstehung des deutschen Nationalsozialismus ermöglichten, blieb fern und noch immer spielen Teile der nationalsozialistischen Ideologie wie zum Beispiel Arbeitswahn und Rassismus eine Rolle in der deutschen Gesellschaft.
Auch der Antisemitismus ist mit von der Partie. Er tritt jedoch nicht mehr so auf, wie er es noch vor 64 Jahren tat, da nach ’45 eine Tabuisierung der Traditionellen Judenfeindschaft statt fand. Eine antisemitistische Weltanschauung kann sich Heute unter anderem im Antizionismus oder im Antiamerikanismus, was querbeet von linksdeutschen Antiimperialist_Innen bis hin zu deutschen Neonazis vertreten wird, ausdrücken. Vor allem drückt sich der moderne Antisemitismus jedoch so aus, dass er „(…)die Juden nicht trotz, sondern wegen Auschwitz hasst“ (Sebastian Voigt). Es herrscht seit der Beendung der deutschen Barbarei das stetige Bedürfnis, frei von Schuldzuweisungen zu sein, um endlich wieder Deutschland abfeiern und stolz auf das eigene Kollektiv sein zu können, ohne dabei jene Schuldzuweisungen auf sich nehmen zu müssen. Das sieht man auch zwei Tage später, am neunten November, wenn zum 20. Mal der Fall der Berliner Mauer und die Überwindung des Realsozialismus gefeiert wird und echte deutsche Demokrat_Innen stolz auf das „neue“ Deutschland sein können. Ein „neues“ Deutschland in dem immer noch Übergriffe auf Migrant_Innen, Homosexuelle und andere Menschen die nicht der Norm entsprechen auf der Tagesordnung stehen.


„Verkackte Deutsche, das sind doch alles Nazis“

Nicht selten sind es Menschen aus dem Spektrum der NPD, die an den oben genannten Übergriffen beteiligt sind. Eben diese möchten nun am siebten November, einem Tag der vielmehr für die Aufrechterhaltung der Erinnerungen an die deutsche Barbarei stehen sollte, ihre menschenverachtende Ideologie in Form einer Demonstration in Friedberg kundtun.
Es gilt sie mit dem permanenten Hintergrundgedanken, der zeigt dass es nicht nur Rechtsradikale sind die menschenverachtende Ideologien verbreiten, sondern diese nur die radikalsten Vertreter jener Ideologien sind, zu stoppen.

Antisemitismus konsequent bekämpfen!
Den Naziaufmarsch stoppen!

weitere Infos unter: ajwbn.blogsport.de und antifa-frankfurt.org